Homeoffice Nr. 06 – Wenns dem Esel zu wohl wird

Ob das Eis trägt?

geht er aufs Eis, 17. Februar 2021

Auch wenn inzwischen nicht nur das Tauwetter sondern gefühlt sogar der Frühling Einzug gehalten hat, gibt es auf vielen Seen und Teichen noch Eisreste. Und man solls ja gar nicht glauben – manche haben nicht nur in den vergangenen Wochen die Warnungen in den Wind geschlagen, sondern trauen sich sogar jetzt noch auf die Eisflächen. Laßt das bleiben! Das ist lebensgefährlich!

Warum? Jeder, der schon mal versucht hat, sich selbst nach dem Einbrechen aus dem Eis zu befreien kann davon ein Lied singen – alleine ist es fast unmöglich, aus dem kalten Naß herauszukommen. Schon nach wenigen Minuten ist der Körper so weit runtergekühlt, daß man kaum noch in der Lage ist, aktiv an Rettungsaktionen teilzunehmen. Außerdem hat man selten Grund unter den Füßen oder kann sich an der Kante abstoßen und aufs Eis ziehen.

Für uns stellte sich daher beim letzten Dienst die Frage, was wir als Außenstehende oder als Feuerwehr in so einem Fall tun können. Die wichtigste Regel ist:
EIGENSICHERUNG!
Auf keinen Fall darf man sich selbst in Gefahr bringen. Verunfallte in Ufernähe sind ja evtl. noch mit einem Ast oder eine Jacke zu erreichen. Wenn die Einbruchstelle aber weiter weg ist, laßt die Finger davon.

Das bringt uns zur zweiten Regel:
NICHT DIREKT MIT DER HAND RAUSZIEHEN
In den meisten Fällen ist der Verunfallte durch die nassen Klamotten so schwer, daß er im Gegenteil Euch mit ins Loch ziehen würde. Außerdem müßtet Ihr dann ganz nah ran und belastet das brüchige Eis um die Unfallstelle noch mehr. Besser ist also, dem Verunfallten einen Ast oder so zu reichen, den man im Notfall selbst wieder loslassen kann.

Zu guter Letzt:
GEWICHT VERTEILEN
Klar, wenn man mit beiden Füßen auf dem Eis steht, lastet deutlich mehr Gewicht auf einer Stelle, als wenn man sich flach darauf legt.

Diese drei Regeln wird auch die Feuerwehr bei einer Eisrettung beachten. Der Helfer, der aufs Eis geht, wird angeleint und trägt möglichst eine Schwimmweste. Auf den Helm wird dabei übrigens verzichtet, der wäre eher hinderlich. Während des Ausrüstens kann schon ein weiterer Kamerad eine Leine über den Verunfallten hinweg werfen. Mit ein bißchen Glück kommt die Leine in seiner Nähe zu liegen und er kann sich evtl. daran schon selbst retten.

Gelingt das nicht, muß nun wirklich jemand aufs Eis. Um den Verunfallten nicht direkt greifen zu müssen, wird der Helfer eine Bandschlinge mitnehmen, die er dann dem Verunfallten zuwerfen kann. Außerdem nutzen wir natürlich unser Rettungsmittel vom Fahrzeug – die Steckleiter. Dafür verwendet man zwei Teile, die – natürlich mit Leinen gesichert – Stück um Stück weitergeschoben werden, während der Helfer von einem Leiterteil auf das andere wechselt. Noch besser ist es, das Spineboard der Kameraden aus Waltringhausen dabei zu haben, wie wir gleich sehen werden.

An der Einbruchstelle angekommen wird dem Verunfallten das freie Teil zugeschoben, an dem er sich dann festhalten kann. Wenn die Unterkühlung schon so weit fortgeschritten ist, daß er nicht mehr aktiv mithelfen kann, muß der Helfer in den sauren Apfel beißen und doch nah an die Einbruchstelle. Hier kommt das Spineboard zum Einsatz – es wird zu ca. zwei Dritteln unter den Verunfallten geschoben und dann behutsam mit dem Verunfallten aufs Eis gekippt. Das hört sich einfach an, ist aber Schwerstarbeit. Wenn Spineboard und Verunfallter auf dem Eis liegen, können die Kameraden am Ufer alles zurückziehen.

Außerhalb der Gefahrenzone muß nun natürlich die Behandlung einsetzen. Dabei unterscheidet man den Grad der Unterkühlung. Wenn der Gerettete bei der Rettung aktiv mithelfen konnte und auch danach noch ansprechbar und beweglich ist, wird er an einen warmen oder zumindest windgeschützten Ort gebracht, dort entkleidet, in warme Decken gehüllt und auf Verletzungen untersucht.

Ist der Gerettete aber nicht mehr wirklich ansprechbar und apathisch, ist höchste Vorsicht geboten. Der Kreislauf hat sich inzwischen auf sein Kerngeschäft reduziert und versorgt nur noch die Organe mit warmem Blut. Das Blut in den Extremitäten ist um einige Grad kälter. Würde man nun den Kreislauf durch trocken rubbeln oder Bewegungen wieder in Gang setzen, würde das kalte Blut zum Herz gelangen und dort Rhythmusstörungen und evtl. sogar den sog. „Bergungstod“ auslösen. Hochgradig unterkühlte Personen sind nur liegend zu transportieren, vorsichtig zu bewegen und zu erwärmen. Ihre nasse Kleidung wird aufgeschnitten, um unnötige Bewegungen zu vermeiden.

Sollten nun noch Bewußtlosigkeit oder sogar Atemstillstand dazukommen, müssen trotzdem die stabile Seitenlage bzw. sogar die Herz-Lungen-Wiederbelebung erfolgen. Dazu gibt es leider keine Alternative.

Etliche der Jugendlichen haben am Mittwoch sehr aktiv daran mitgearbeitet, diese Erkenntnisse zu gewinnen. Danke an alle Teilnehmer. Wir sind uns einig, daß wir mit dem Schlittschuhlaufen lieber warten, bis die Eishalle Lauenau wieder öffnet. Beibt gesund!