Tour de Schaumburg

Landkreis Schaumburg und umzu, 06. bis 14. Juli 2019
Nach langen Monaten der Vorbereitung starteten wir am Samstag endlich unsere Fahrradtour um und durch den Landkreis. Bereits im letzten Jahr begann für das Orgateam die Arbeit – Etappenziele und Übernachtungsmöglichkeiten, Besichtigungen, Tagesprogramm, Versorgung und Verpflegung – alles mußte in Eigenregie festgelegt und vorbereitet werden. Rechtzeitig zu Ferienbeginn war der Plan dann fertig.
Bereits am Mittwoch vor dem eigentlichen Start konnten wir Mario Hendschke von Deister Bike dafür gewinnen, einen Sicherheitscheck an unseren Rädern durchzuführen. Einige Kleinigkeiten konnten dabei sofort gerichtet werden, nur ein einziges Rad mußte nochmals instand gesetzt werden. Ansonsten konnte Mario aber allen Drahteseln einen guten technischen Zustand bescheinigen. Im Anschluß starteten wir eine Probetour nach Helsinghausen und zurück, um unser Verkehrssicherheitskonzept mit Streckenposten zu testen – funktioniert, wir waren bereit!

Samstag, 06. Juli
Pünktlich um 08:30 lieferten die Jugendlichen ihr Gepäck an, das systematisch von Rouven und Jan Bennet verladen wurde. Ob den beiden da schon klar war, daß sie von nun an täglich den Crafter vollständig aus- und wieder einladen würden? Um kurz vor 09:00 starteten wir dann planmäßig mit den Rädern zur ersten Etappe. Unser Weg sollte uns zunächst nach Auhagen und dann nach Steinhude führen. Allerdings fiel Til am Ortsausgang Riehe auf, daß er seinen Rucksack am Feuerwehrhaus liegen lassen hatte – damit hatten wir nach ca. fünf Minuten Fahrt schon die erste Pause…
Trotzdem kamen wir pünktlich um 10:30 in Auhagen bei unserem Bürgermeister an. Mike hatte es sich nämlich nicht nehmen lassen, uns auf ein Eis zu sich nach Hause einzuladen und uns dabei viel Glück und gute Heimkehr zu wünschen. Eine halbe Stunde später verließen wir dann das Gartenlokal und die Fahrt ging weiter am Kaliberg vorbei nach Steinhude. Dabei stellte eins unserer Mädels fest, daß es sinnvoller ist, kurz anzuhalten, um eine Jacke auszuziehen, aber auch das will gelernt sein…
Trotzdem erreichten wir wieder pünktlich unser Ziel und wurden vom Steinhuder Jugendwart Norman in Empfang genommen. Nach dem Bezug des Nachtlagers machten wir uns dann – zu Fuß – auf den Weg zum Anleger, um mit dem Auswanderer zum Wilhelmstein überzusetzen. Die Besichtigung der Festung war damit der erste heimatkundliche Programmpunkt in dieser Woche. Einige Jugendliche waren durchaus interessiert an der Geschichte des Bollwerks, das zumindest einmal in der Historie erfolglos belagert worden war. Die meisten aber nutzten eher die Inselgaststätte zur Einkehr. 🙂
Nach der Rückkehr nach Steinhude war Freizeit angesagt – allerdings hatte es inzwischen angefangen zu regnen, so daß sich alle zunächst mit Werwolf-spielen beschäftigten. Am frühen Abend kam dann die JF Steinhude dazu und wir warfen gemeinsam den Grill an.

Sonntag, 07. Juli
Der Plan war eigentlich, um 07:30 das große Wecken zu starten. Mina hatte extra dafür bereits ihr Handy präpariert. Leider aber waren 90% der Belegschaft schon vorher wach und begannen lautstark Ihre Plünnen zu packen. Glücklicherweise konnte unsere Jüngste ihr Wecklied aber noch bei den drei großen Mädels und mit besonderem Erfolg bei einem Teil der Betreuer im Nebenraum anbringen. Rouven war mehr als begeistert…
Trotzdem schafften wir es einigermaßen in der Planzeit zu packen, zu frühstücken und den Raum wieder herzurichten. Ziemlich genau um 10:00 starteten wir dann die zweite Etappe in Richtung Pollhagen.
Eigentlich sollte es nahezu ebenerdig am Meer lang und über den Hagenburger Kanal gehen. Was wir nicht berücksichtigt hatten, war der Anstieg nach Wölpinghausen. Damit hatten wir bereits heute eine Bergwertung und Lukas‘ Navi zog erste Haßgefühle auf sich. Dennoch kamen wir wohlbehalten in Pollhagen an (ging ja jetzt auch bergab). Auf dem Weg wurden wir per Whatsapp informiert, daß in Riehe gerade ein spektakulärer Brandeinsatz lief. Offenbar gab es in einem Wohnhaus Probleme mit überlasteter Elektrik. Während des Einsatzes stellte sich dann heraus, daß die Wärmelampen und Klimageräte für eine Hanfplantage genutzt wurden – wer hätte das gedacht…
Gegen Mittag kamen wir dann glücklich in Pollhagen an. Da der Mannschaftsraum der hiesigen Ortswehr noch kleiner war, als unser eigener, konnten dort nur die jüngeren Teilnehmer unterkommen. Das Versorgungsteam und die größeren Mädchen verteilten sich in der Fahrzeughalle, Til suchte sich den Zwischenboden aus und Lukas und Rapha stellten ihre Feldbetten ins Carport des MTW.
Als Nachmittagsprogramm hatten sich OrtsBM Martin und seine Crew etwas besonderes einfallen lassen – Boot fahren auf dem Kanal. Also hieß es für uns wieder aufsitzen und etwa einen Kilometer bis zur Wasserstraße radeln. Für diese kleine Mühe wurden wir aber vielfach belohnt. Die Pollhäger düsten mit uns übers Wasser, daß uns fast schwindelig wurde. Und wer mutig genug war, durfte nach einer Einweisung auch mal kurz ans Steuer. Besonders mutig waren übrigens Mina und Melanie, die die Gelegenheit auch gleich noch zu einem erfrischenden Bad nutzten.
Nachdem alle genug vom Geschwindigkeitsrausch hatten, radelten wir zum Feuerwehrhaus zurück und wurden dort mit einer Kaffee- und Kuchentafel überrascht. Allerdings hatten wir kaum den ersten Bissen genommen, als plötzlich die Funkmeldeempfänger Alarm gaben – in Niedernwöhren gab es einen Kellerbrand. Sofort sprangen die Pollhäger Kameraden auf, um zu Ihren Spinden zu eilen – und genauso schnell waren auch unsere Mädels auf den Beinen, um ihre Klamotten aus dem Weg zu schaffen. Kurz danach fiel dem Versorgungsteam ein, daß auch deren Luftmatratzen beim Ausrüsten stören könnten und so warf Finja ihre Sachen einfach im hohen Bogen auf Ronjas – Problem gelöst. Nach etwa einer halben Stunde kehrte die Einsatzmannschaft zurück zum inzwischen kalten Kaffee.
Den späteren Nachmittag verbrachten wir dann auf dem angrenzenden Sportplatz mit Fußball und Frisbee, bis die Hot Dogs zum Abendessen fertig waren. Eine Weile saßen wir dann noch vor der Fahrzeughalle, während es Timon geschafft hatte, für die Jugendlichen einen Film per Beamer an die Wand zu werfen. Bald aber wurde es doch recht kühl, so daß wir den zweiten Abend schließlich beendeten.

Montag, 08. Juli
Die dritte Etappe sollte uns über Stadthagen nach Helpsen bringen. Zunächst wollten wir das THW in der Kreisstadt besuchen und dann für den Rest des Tages und über Nacht am Samtgemeindezeltlager der SG Nienstädt teilnehmen. Leider hatten wir es aber im Vorfeld nicht geschafft, mit dem THW einen Besuchstermin zu vereinbaren, so daß wir das Zwischenziel Stadthagen ausließen und bereits am späten Vormittag im Zeltlager landeten.
Netterweise hatte die SGJF für uns bereits drei Zelte aufgebaut, die sich Jungs, Mädchen und Fahrräder teilten. Zufällig waren diese Zelte auch noch in Blickrichtung auf unsere Nachbarn aus Waltringhausen ausgerichtet, so daß sich eine stürmische Begrüßung anschloß. Nach dem Mittagessen (Schnitzel mit Kartoffelpü) durften wir dann am Tagesprogramm teilnehmen. In der Sporthalle der IGS wurde Bubblesoccer gespielt. Dabei bekommt jeder Spieler einen luftgefüllten Ball übergestülpt, bei dem nur die Beine herausgucken. Nun versuchen zwei Mannschaften a vier Spieler Tore zu erzielen. Das kann ein ganz witziges Spiel sein, aber leider mußten wir mit ansehen, wie einige Mitspieler zu Boden gingen und sich offenbar dabei verletzt hatten. Das war für die Motivation unserer Jugendlichen nicht gerade förderlich, aber mit ein bißchen gutem Zureden und Deals mit den Gegnern (Ergebnis egal, hauptsache Spaß) fanden sich dann doch ein paar Freiwillige. Leider zogen auch wir uns ein paar Blessuren zu, aber ein bißchen Spaß hats trotzdem gemacht.
Das Abendprogramm bestand aus einem Table Quiz mit diversen leichteren oder schwereren Fragen aus verschiedenen Kategorien. Dabei schlugen sich unsere Kids recht gut, allerdings ohne am Ende besonders weit vorne zu landen. Den Großteil des Abends verbrachten wir dann entweder vor unseren eigenen Zelten oder gegenüber bei den Waltringhäusern. Nicht wenige Jugendliche hätten zu diesem Zeitpunkt gerne die Tour beendet und die restliche Zeit im gewohnten Zeltlagerambiente verbracht.

Dienstag, 09. Juli
Kurz nach dem Wecken waren alle wieder mit der Fortführung der Tour einverstanden – 07:00 war nämlich den meisten deutlich zu früh und außerdem war es in der Nacht schw…kalt, da lockte das nächste Etappenziel Kleinenbremen mit einem festen Feuerwehrhaus.
Nach dem Frühstück und der Morgenrunde ging es dann aber zunächst nur bis Bückeburg. Dort hatten wir eine Schloßerlebnisführung gebucht. Um 12:30 trafen wir auf unseren Schloßführer, der uns neben den „normalen“ prächtigen Sälen auch die Hinterzimmer und Wohnungen der Bediensteten nahebrachte. Er hatte einige Anekdoten auch über den aktuellen Chef des Hauses Schaumburg-Lippe – Prinz Alexander – auf Lager. Wer aufgepaßt hat, konnte einiges über die Historie unseres Landkreises und des Schlosses lernen.
Nach ca. eineinhalb Stunden bestiegen wir dann wieder die Räder für die restliche Strecke nach Kleinenbremen. Trotz der erheblichen Steigung waren die paar Kilometer im Nu zurückgelegt und wir langten grade rechtzeitig vor dem Regen im brandneuen Feuerwehrhaus der Löschgruppe Kleinenbremen-Wülpke an (daß wir uns nun nicht mehr auf Niedersächsischem, geschweige denn Schaumburger Gebiet befanden war uns wohl bewußt, aber der Kleinenbremer JFW Niklas hatte uns den Grenzübertritt im letzten Jahr angeboten und das hatten wir natürlich gerne angenommen).
Theoretisch hatten wir vor, mit der hiesigen JF eine Einsatzübung abzuhalten. Richtigerweise hatte Niklas aber die Motivation der Kids nicht allzu hoch eingeschätzt und stattdessen ein Spiel vorbereitet – Riesenjenga mit dem Spreizer. Für unsere Jugendlichen war das natürlich ein unbekanntes Gerät, aber mit ein bißchen Übung und Unterstützung durch Rouven ging ihnen das Klötze versetzen erstaunlich gut von der Hand. Bis zum Abendessen (Nudeln Bolognese) war damit für Unterhaltung gesorgt. Nebenbei bot Niklas noch Rundfahrten mit dem HLF und dem TLF 4000 an, die gerne genutzt wurden. Satt und zufrieden krochen dann nach und nach alle in ihre Schlafsäcke.

Mittwoch, 10. Juli
Heute ging es zurück in heimatliche Gefilde – genauer gesagt über Bad Eilsen und Steinbergen zunächst nach Rinteln und später weiter nach Hohenrode. Zunächst wurde wieder geflucht, weil sich herausstellte, daß der Radweg nicht schnurgerade an der B83 entlangläuft sondern einen Abstecher den Harrl hinauf macht und am Golfplatz vorbei nach Bad Eilsen führt. Von Buchholz nach Steinbergen war dann der zweite Anstieg an der Arensburg zu bewältigen. Danach ging es aber bergab nach Rinteln zum Marktplatz. Nach einem Gruppenfoto mit dem Nachtwächter hatten die Jugendlichen ausreichend Zeit, die Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern zu erkunden. Nach etwa eineinhalb Stunden traf man sich im Stadtkater wieder, um den Rest der heutigen Etappe nach Hohenrode in Angriff zu nehmen. Im Weserdorf angekommen, nahmen die Kids die Mehrzweckhalle gleich in Beschlag, die uns ja von diversen Trainingslagern schon gut bekannt ist. Nach dem Aufbau der Betten zog es einen Teil der Gruppe zum Badesee, den wir wieder einmal mit freundlicher Genehmigung des Freizeitvereins nutzen durften. Einige andere wollten dagegen lieber den Reiterhof Schulze besuchen, um sich schon mal mit den Pferden für die kommende Reiterfreizeit bekannt zu machen.
Für den Abend hatten wir die Eltern unserer Jugendlichen zum traditionellen Grillabend eingeladen – es war ja schließlich Mittwoch. Auch die JF Hohenrode-Strücken kam dazu und gemeinsam ließen wir den Tag ausklingen. Übrigens erfuhren wir abends noch, daß unsere Schneise der Zerstörung vor der Landesgrenze nicht Halt gemacht hatte – im ehemaligen Kraftwerk Veltheim war ein Brand ausgebrochen und unsere Gastgeber aus Kleinenbremen waren mit ihrem TLF dort im Einsatz…

Donnerstag, 11. Juli
Die heutige Etappe sollte laut Plan eine der anstrengenden werden und wir wurden nicht enttäuscht! Zunächst begann die Fahrt eher locker – nach kurzer grader Strecke erreichten wir die Großenwiedener Weserfähre. Der Fährmann setzte uns über auf die Nordseite des Stroms und wir unseren Weg über Kleinenwieden nach Schaumburg fort. Dort wollten wir auf den Rat eines heimischen Kameraden über die Straße „Am Tiergarten“ hoch zur Schaumburg. Auf der Hälfte dieser äußerst steilen Straße ging aber allen die Puste aus und wir waren froh, als wir alle Räder glücklich bis zum Waldrand geschoben hatten. Nach unserer Überzeugung durften es aber nun nur noch ein paar hundert Meter bis zur Schaumburg sein, die wir nach einer Pause in Angriff nehmen wollten. Leider kam uns ein wohlmeinender Bürger entgegen, der uns dringend von der Nutzung des Waldweges abriet. Er malte die noch steilere Strecke mit Absturz- und Verletzungsgefahr so plastisch aus, daß sich ein Großteil der Jugendlichen strikt weigerte, den Pfad zu begehen. Lukas und Rapha gingen dann zur Erkundung vor, um sich selbst ein Bild zu machen. Ja, es würde noch einmal einen steilen Anstieg geben, aber das war kein Vergleich zum bereits zurückgelegten Teil. Und tatsächlich wäre in wenigen hundert Metern das Leid zu Ende und die Burg erreicht. Leider war aber trotzdem ein Großteil der Mannschaft nicht zu bewegen, den letzten Rest in Angriff zu nehmen. Daher mußten wir unser Versorgungsteam samt Besenwagen bitten, die Erschöpften abzuholen, bevor sich die übrigen auf den Weg machten.
Nach etwa zehn Minuten und nicht übermäßiger Anstrengung standen die Unentwegten dann auf dem Parkplatz unterhalb der Burg – das Team Versorgung langte erst nach uns an…
Hätten wir nicht in Hohenrode schon am Start eine halbe Stunde Verspätung gehabt, wären wir sogar pünktlich angekommen. So mußte unser Burgführer – der Nachtwächter – einen Moment auf uns warten. Nach kurzer Verschnaufpause begann der Burgkundige seinen Vortrag und ließ allerlei Wissenswertes über die Burg und das Mittelalter an sich hören. Wir erfuhren z.B., daß das Nesselblatt im Schaumburger Wappen vermutlich aus den drei Nägeln vom Kreuz Christi entstanden ist, die ein früher Schaumburger Graf bei einem Kreuzzug erworben hatte – oder das zumindest glaubte. 🙂 Von Zeit zu Zeit streute der Nachtwächter ein paar Fragen an die Jugendlichen ein und verteilte für richtige Antworten Goldstücke – auch ein pädagogischer Ansatz…
Nach Ende der Führung kehrten wir dann auf ein leckeres Kaltgetränk im Schaumburger Ritter ein, bevor wir uns auf den weiteren Weg über Hess. Oldendorf nach Halvestorf machten. Dort wollten wir auf Einladung von Anja Falius im Gemeindezeltlager der SG Rodenberg nächtigen. Auch hier gab es nach der Schußfahrt ins Wesertal nochmals einen Aufstieg zu bewältigen, der uns aber nicht mehr vor nennenswerte Probleme stellte. Bald erreichten wir den Campingplatz am Waldrand und wurden dort von vielen Bekannten begrüßt. Sogar den Kaffee hatte Küchenchef Marcus Schmidt schon für uns parat.
Gegen frühen Abend kam dann das Zeltaufbaukommando aus der aktiven Gruppe, um uns die Unterkünfte für die Nacht zu bringen. Viele fleißige Hände sorgten dafür, daß die zwei Zelte in kürzester Zeit standen und wir unsere Plünnen einräumen konnten. Vielen Dank dafür an die Kameraden!
Das Abendprogramm bestand aus einer an das Dschungelcamp angelehnten Spielshow für Betreuer. In jeder Runde schied der jeweilige Spielgewinner aus, so daß am Ende nur ein „Loser“ übrigblieb, der dann eine Art Zeltlagertaufe über sich ergehen lassen mußte. Die Spiele hatte das Jugendforum ausgewählt und selbst im Vorfeld getestet – gut gemacht, wir als Zuschauer hatten in jedem Fall sehr viel Spaß. Später konnte dann jeder noch Freunde aus anderen Jugendfeuerwehren besuchen oder sich vor unserem Zelt aufhalten, bis irgendwann alle in die Betten verschwanden.

Freitag, 12. Juli
Die offizielle Bergwertung war heute fällig – der Weg war das Ziel. Na ja, nicht ganz – das Tagesziel war Hattendorf…
Die Forderung des Betreuerteams war klar – bis nach Hess. Oldendorf fahren alle, beim weiteren Aufstieg über Barksen, Segelhorst und Langenfeld durfte jeder selbst entscheiden, wie weit er/sie sich quälen wollte. Folgerichtig blieb nahezu das gesamte Team direkt am Baxmannbad zurück und ließ sich nach oben fahren. Nur Til, Julie, Mina und Sina folgten Lukas und Rapha auf dem Weg über die Baumgrenze.
Am Ende von Barksen angekommen zog Sina die Reißleine und bat um eine Mitfahrgelegenheit. Die restlichen fünf machten sich auf den Weg, den Rest des Berges zu erklimmen. Nach kurzer Zeit waren Lukas und Til für die hinteren außer Sicht. Die beiden Extremsportler lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zum Gipfel, das Til am Ende für sich entschied.
Etwas gemächlicher folgten Julie, Mina und Rapha dem Führungsduo. An flacheren Stellen warteten die beiden Mädels freundlicherweise auf ihren Jugendwart, der vernehmlich auf dem letzten Loch pfiff. Und immer, wenn dieser dachte, daß die beiden Kleinen doch nun platt sein müßten und den Rest schieben würden, stiegen die beiden wieder auf ihre Räder und zeigten ihm ihr Hinterteil – hätte es eine Chance gegeben, die beiden einzuholen, wäre es wohl nicht bei Mordgedanken geblieben. 🙂 So aber spornten die beiden Jüngsten der Gruppe den Ältesten zu Höchstleistungen an und nach gut einer weiteren halben Stunde waren die 265 Höhenmeter überwunden und auch Rapha rollte schweißbedeckt ins Ziel.
Für die Besichtigung der Schillathöhle war es noch deutlich zu früh (unser Zeitplan hatte heute den ersten echten Aussetzer), daher schlug Melanie vor, erstmal das Nachtquartier in Hattendorf zu beziehen und dann per Pendelverkehr nach Langenfeld zurückzukehren. Zum Glück hatte der Hattendorfer Jugendwart Basti schon Zeit aufzuschließen und so ließen wir uns gemütlich ins Auetal rollen. Diesmal kamen die Betreuer in der Fahrzeughalle unter, während die Jugendlichen den Mannschaftsraum beschlagnahmten.
Später fanden wir uns dann zur Besichtigung der Schillathöhle ein. Mit dem Fahrstuhl ging es in Windeseile mehrere Erdzeitalter hinunter, bis wir in der Kreidezeit angekommen waren. Die Höhle selbst führte mehrere hundert Meter in den Berg hinein und zeigte neben diversen Tropfsteinformationen vor allem Versteinerungen von urtümlichen Meerestieren – vor allem Seeigel – in der Decke. Eine besondere Seltenheit! Nebenbei erfuhren wir einiges über andere Gesteine aus der näheren Umgebung – unter anderem, daß die bekannten Schaumburger Diamanten die Krönungskrone der britischen Königin zieren. Vermutlich wurden die den Engländern einstmals als gefälschte Diamanten untergejubelt und nun werden sie aus Tradition nicht mehr entfernt. Am Ende der Besichtigung schloß sich eine Kinovorführung an, die zwar sehr interessant war, aber auch dafür sorgte, daß der eine oder andere ein wenig einnickte.
Zurück in Hattendorf warfen wir dann den Grill an und alle Reste an Grillfleisch darauf. Leider waren die Kids wieder einmal recht anspruchslos und verlangten in erster Linie nach dem traditionellen Grillkäse. Zum Glück bekamen wir aber später noch Besuch von unserem Zeltabbauteam, das uns dann half, die Reste ratzekahl zu entsorgen. Vielen Dank auch an die fünf Kameraden für die Arbeit!

Samstag, 13 Juli
Der Plan für den heutigen Tag sah eigentlich vor, spät in Hattendorf zu starten, den Tag im Freibad in Rodenberg zu verbringen, abends im Rodenberger Feuerwehrhaus eine Pizza zu bestellen und dann im dunklen nach Hause zu fahren. Leider aber hatte sich am letzten Tag alles gegen uns verschworen…
Es begann schon damit, daß es bei der Abfahrt regnete und die Temperaturen in den Keller gestürzt waren. Freibad fiel damit schon mal weg. Als Alternativprogramm hatten wir dann geplant, das Bowling around the clock aufzusuchen und dort ein paar Bälle zu werfen. Lt. Internetrecherche sollte das Bowlingcenter um 14:00 öffnen. Da der Weg nach Lauenau fast nur bergab ging, waren wir aber bereits gegen 13:00 vor Ort. Wir nutzten nun die Zeit, um uns bei einem bekannten Systemgastronomen mit Whoppern und Pommes vollzustopfen. Punkt 14:00 radelten wir dann hinüber zur Bowlingbahn – und mußten dort feststellen, daß die Anlage wegen der Sommerferien geschlossen war. Das hätte uns Tante Google ja gleich mit verraten können…
Eine kurzfristig angesetzte Krisensitzung endete mit dem Vorschlag, nun doch gleich nach Hause zu fahren und das geplante Frühstück mit den Eltern dann trotzdem am kommenden Morgen durchzuziehen. Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen und so machten wir uns auf den Weg nach Hause. Lauenau, Rodenberg und Bad Nenndorf wurden problemlos durchquert, aber als wir am Waltringhäuser Sportplatz angekommen waren – unsere Windräder schon vor Augen – hatten wir ernsthaft die erste Panne in dieser Woche. Sina hatte sich eine Scherbe in den Hinterreifen gefahren. Erstazschläuche hatten wir zwar dabei, aber eine Reparatur erschien uns unterwegs nicht mehr sinnvoll. So mußte sie kurz vor Ende für die letzten Meter doch noch ins Auto umsteigen. Für das Finisher-Foto durfte Sina dann aber noch auf Minas Gepäckträger sitzen und die letzten 50 Meter bis zum Feuerwehrhaus konnte sie hinter Rapha auf zwei Rädern absolvieren.
Glücklicherweise hatten wir alle Eltern im Vorfeld über die vorzeitige Rückkehr informieren können und so kamen alle Kinder für die Nacht unter.

Sonntag, 14. Juli
Um 09:00 trafen sich alle Tourteilnehmer, die noch nicht im Urlaub waren und deren Eltern, um mit einem Restefrühstück die Fahrt abzurunden. Bevor sich alle auf die Brötchen der Bäckerei Planert stürzten, hatte Rapha noch eine kleine Überraschung parat – obwohl die Tour nicht direkt ein sportliches Event war, wollte das Betreuerteam diejenigen ein bißchen verhorheben, die die größte Strecke per Fahrrad zurückgelegt hatten. Es gab dabei Urkunden für folgende Platzierungen:
3. Platz Sina (ausgesetzt nur zwischen Barksen und Langenfeld)
2. Platz Julie und Mina (ausgesetzt nur auf den letzten 200 Metern zur Schaumburg)
1. Platz Til (keinen einzigen Meter verpaßt)

Da wir nun glücklich wieder zu Hause angekommen sind, stellt sich die Frage, was bleibt von dieser Tour de Schaumburg im Gedächtnis?
Vermutlich wird Emelie nie wieder vergessen, daß das Schaumburger Wappen ein Nesselblatt und kein Pferd zeigt…
Möglicherweise werden alle in Zukunft kurz nachdenken, bevor sie eine Frage stellen, denn täglich waren nur drei dumme Fragen für das gesamte Team erlaubt…
Eventuell wird der eine oder andere sich in Zukunft etwas mehr zutrauen, wenn er/sie daran denkt, daß die Kleinsten die Tour problemfrei gemeistert haben…
Bestimmt aber bleibt haften, daß Rouven der König der neuen Spitznamen ist. Auf seine Kappe gehen die meisten Neuschöpfungen, hier eine Auswahl:
Silke (Sina), Methadon (Mette), Jupp (Justin), Dämelie (Emelie), LFK (Lena Fabienne K.), LD (Lena D.), Irina bzw. Julischka (Julie)
Hoffentlich bleibt diese Tour für alle ein tolles Erlebnis, das die Gruppe weiter zusammengeschweißt hat!

Wir bedanken uns bei allen, die uns bei dieser Radtour unterstützt haben. Seien es die Gastgeber, die Zeltauf- und –abbauer, die Schloß-, Burg- und Höhlenführer, alle, die uns im Vorfeld bei der Planung unterstützt haben, etc.
Besonderer Dank gilt vonseiten der Jugendwarte dem Versorgungsteam für seine phänomenale Arbeit, der Besenwagen-Melanie, die schon eine Anfrage für das kommende Kreiszeltlager bekommen hat, Jana, der Ressortchefin EDV und Design, die leider zu Hause bleiben mußte, aber wichtige Hintergrundarbeit geleistet hat und natürlich den Kids, die trotz Bauch-, Rücken-, Magen-, Fuß- und Kopfschmerzen nur in erträglichem Rahmen gemault und diese (Tor)Tour durchgestanden haben. Keine Sorge, nächstes Jahr geht es wieder in ein „normales“ Zeltlager. 🙂