Info-Abend Berufsfeuerwehr

Riehe, 11. März 2015

Heute abend hatten wir Steffi Höhn von der BF Hannover zu Gast. Rapha hatte sie eingeladen, um uns ein paar Einblicke in den Alltag und die Ausbildung bei der Berufsfeuerwehr zu geben.

Als erstes stellte Steffi uns die neue Einsatzbekleidung der Hannoveraner vor. Abgesehen von der größeren Schutzwirkung bietet diese auch deutlich mehr Komfort als die „alte“ schwarze Bekleidung. So sind an verschiedenen Stellen Polster angebracht, die das Tragen von PA deutlich angenehmer machen. Auch im Schnitt ist die neue Bekleidung verbessert durch die im hinteren Bereich verlängerte Hose und die dadurch verkürzte Jacke. Besonderer Kniff ist der eingearbeitete Gurt in Brusthöhe. Die BF verwendet daher keine Feuerwehrsicherheitsgurte mehr.

Größere Unterschiede zu unserer normalen Bekleidung sind auch beim Helm zu erkennen. Sehr komfortabel ist z.B. die einfache Größenverstellung des Innenhelms auch im aufgesetzten Zustand. So kann man den Kopfschutz sehr leicht anpassen je nachdem, ob man gerade mit Maske im Atemschutzeinsatz oder eher im Außenbereich tätig ist. Bei den typischen Helmen der FF ist das so nicht möglich. Andere Zusatzausstattungen wie die bedampfte Sichtscheibe oder die eingebaute Schutzbrille sind natürlich auch ein nettes Gimmick.

Im weiteren erläuterte Steffi den Aufbau und die Organisation der Feuerwehr Hannover. Neben den fünf Wachen der BF gibt es im Stadtgebiet auch noch 17 Freiwillige Feuerwehren, die natürlich auch regelmäßig alarmiert werden. Allerdings hat die BF natürlich den „Vorteil“, schneller ausrücken zu können, so daß für die freiwilligen oft nur die unattraktiveren Aufgaben bleiben. Trotzdem bezeichnet sie die Zusammenarbeit aber als sehr gut – einzelne Kameraden bzw. Kollegen mit Vorurteilen gibt es sicher immer. Insgesamt besteht die BF aus etwa 650 Beamten (gegenüber etwa 700 Kameraden der FF), die im Jahr gemeinsam ca. 60.000 Einsätze abarbeiten. Allerdings kommen deutlich über 90% der Einsätze auf den Rettungsdienst, den im Stadtgebiet auch in erster Linie die BF stellt.

Neben den Feuerwehrfahrzeugen (Einsatzleitwagen, zwei Hilfeleistungslöschfahrzeugen und einer Drehleiter) sind in jeder Wache zwei oder drei RTW (Rettungstransportwagen) stationiert. Außerdem werden mehrere NEF (Notarzteinsatzfahrzeuge) von der BF gestellt. Die Ausbildung zum Rettungsassistenten (oder in Zukunft: zum Notfallsanitäter) ist für jeden Beamten der BF verpflichtend.

Die Ausbildung zum Berufsfeuerwehrmann dauert drei Jahre und wird auf verschiedenen Wachen in Hannover durchgeführt. In dieser Grundausbildung durchläuft der Anwärter diverse Lehrgänge. Schließlich muß nach der Ausbildung jeder alle Funktionen seiner Laufbahngruppe ausfüllen können. Am Ende steht eine fünfwöchige Laufbahnprüfung in der NABK (früher Landesfeuerwehrschule) in Celle. Daran schließt sich dann noch die Ausbildung zum Rettungsassistenten an.

Danach ging Steffi auf die Auswahlkriterien für Bewerber ein. Voraussetzung für den mittleren Dienst ist mindestens ein Hauptschulabschluß und eine abgeschlossene Berufsausbildung (die aber nicht mehr zwingend technisch sein muß). Zur Orientierung – für die letzten acht ausgeschriebenen Ausbildungsplätze gab es 500 Bewerbungen…

Zunächst ist ein Sporttest zu bestehen – dabei werden etliche Leistungen abverlangt, wie zum Beispiel ein Dauerlauf, Sprint, Schwimmen, Tauchen und Liegestütze. Dazu gehört außerdem ein Standweit- und -hochsprung. Wichtig ist dabei die gute Vorbereitung betont Steffi! Normalerweise scheitert die Hälfte der Bewerber schon an dieser Hürde. Der Rest wird dann zum Einstellungstest eingeladen, in dem es vorrangig um Logikaufgaben geht. Ist das geschafft, folgt eine technische Aufgabe (z.B. ein Reifenwechsel) und eine ärztliche Untersuchung. Als letztes folgt ein Vorstellungsgespräch mit der versammelten Führungsmannschaft. Alles in allem also ein sehr anstrengendes Auswahlverfahren, aber die BF muß natürlich sicherstellen, daß der Nachwuchs auch wirklich geeignet ist für die vielfältigen Aufgaben.

Zum Schluß erzählte Steffi noch ein paar interessante Begebenheiten aus dem Einsatzgeschehen. Auf die Frage, welcher Einsatz ihr selbst am meisten zu schaffen machte, erzählte sie von einem kleinen Mädchen, das in der eigenen Badewanne zu ertrinken drohte und erfolgreich reanimiert werden konnte. Die Mutter ruft heute noch jedes Jahr am Geburtstag des Mädchens an, um sich für die Hilfe zu bedanken. Steffi meinte, das seien dann Momente, wo man sicher sein kann, den richtigen Beruf ergriffen zu haben.

Nach etwa zwei Stunden waren alle Fragen geklärt und es ging wieder ans aufräumen. Vielen Dank an Steffi Höhn für den interessanten und informativen Abend – und Danke an Jana für die Kinderbetreuung…