Besichtigung der HFlgWaS Achum

Achum, 10. April 2013

Nahezu pünktlich um 17:30 starteten wir mit fast allen Jugendlichen, sechs Kameraden aus der aktiven Gruppe und Achims Sohn als Gast zur Besichtigung der Flugplatzfeuerwehr der Heeresfliegerwaffenschule in Achum. Am Eingang wurden wir bereits vom Organisator Thomas Reese erwartet und konnten ohne größere Personenkontrollen zur Feuerwache durchfahren.

Nach der Begrüßung durch unseren Führer Uwe Lohmann besuchten wir zunächst die Leitstelle. Diese hat für den Flugplatz im Prinzip dieselbe Funktion wie „unsere“ Leitstelle in Stadthagen und ist rund um die Uhr mit einer Person besetzt. Alle Feuerwehreinsätze auf dem Flugplatz werden hier koordiniert, nur der Rettungsdienst kommt im Bedarfsfall von außerhalb.

Auf die Frage nach der Einsatzhäufigkeit konnte der Disponent zum Glück nur von wenigen Crashs erzählen. Deutlich häufiger seien Luftnotlagen und Meldereinläufe aus den Brandmeldeanlagen in den einzelnen Hallen. Eine Luftnotlage liegt immer vor, wenn ein Hubschrauber ein Problem meldet, das eine ordnungsgemäße Landung behindern könnte. Gerade durch den Schulungsbetrieb werden solche Notlagen natürlich recht häufig simuliert. Außerdem wird durch den Flugsicherheitsoffizier mindestens einmal im Monat eine Alarmübung ausgelöst.

Da die Bundeswehr eine Anfahrtzeit von maximal einer Minute vorschreibt, sind während des Flugbetriebs immer zwei Fahrzeuge im Pistendienst. Die Fahrzeugbesatzung besteht normalerweise aus einem Dreier-Trupp und wird alle zwei bis drei Stunden abgelöst. Das gilt allerdings nicht für die Außenlandeplätze, die auch von jeweils zwei Fahrzeugen aus Achum besetzt werden. Zur weiteren Erhöhung der Sicherheit steht an jedem Landeplatz ein 30kg-CO2-Löscher bereit.

Der Weg führte uns dann weiter durch die Sozialräume, vorbei an den Sprungschächten, in den Schwarzbereich. Neben den Spinden der etwa 90 Beamten befinden sich dort noch die Schlauchwäsche, Werkstätten, die Wäscherei und der Fitneßraum. Außer der feuerwehrtechnischen Tätigkeit hat hier jeder Kollege eine Spezialaufgabe. Weitere tägliche Tätigkeiten sind die Fahrzeuginstandhaltung und der Dienst in der Atemschutzwerkstatt.

Da jeder Beamte ausgebildeter und einsatztauglicher Atemschutzgeräteträger sein muß, wird auf Fitneß und Ausbildung großer Wert gelegt. Die eigene Atemschutzübungsstrecke muß von jedem zweimal jährlich durchlaufen werden. Natürlich war es für unsere Jugendlichen sehr interessant, den Arbeitsraum und die Kriechstrecke einmal auszuprobieren.

Im Anschluß ging es endlich in die Fahrzeughalle. Dort lernten wir die Flugfeldlöschfahrzeuge Z6 und Z8 kennen. Auch einige „kleinere“ Fahrzeuge sind in Achum stationiert, die in erster Linie für Gebäudebrände und Technische Hilfeleistung genutzt werden. Da gerade Pause im Flugbetrieb war, konnten wir mit beiden Fahrzeugen eine Probefahrt über den Flugplatz machen. Besonders beeindruckend waren die Beschleunigungswerte. Trotz ihrer Größe und ihres Gewichts von bis zu 40 Tonnen gingen die Dinger „ab wie Schmidts Katze“. Und dazu ist zumindest die neue Generation des Z6 so leise, daß der Motor im Mannschaftsraum kaum noch zu hören ist.

Damit war der Besuch bei der Flugplatzfeuerwehr beendet und wir durften nun noch einen Blick in die CH53-Halle werfen. Dort wurden wir von Dirk Held erwartet, der hier in der Luftfahrzeugtechnik arbeitet und viele interessante Einzelheiten über diesen Hubschraubertyp erzählen konnte. Er erwähnte, daß die CH53 der größte in der NATO eingesetzte Hubschrauber mit Haupt- und Heckrotor sei. Seines Wissens gäbe es nur noch ein russisches Modell, daß auf größere Abmessungen komme. Die CH53 ist schon seit Jahrzehnten das Arbeitstier der Heeresflieger und wurde in den letzten Jahren immer weiter modifiziert und modernisiert, um die Einsatzzeiten zu erweitern. Trotz ihrer Größe ist sie vielen anderen Hubschraubern was Wendigkeit und Geschwindigkeit angeht weit überlegen.

Im Inneren der CH53 ist Platz für 36 vollausgerüstete Soldaten oder zwei Kleinpanzer vom Typ Wiesel. Kommunikation unter den Passagieren ist während des Fluges allerdings nicht möglich, da die Turbinen einen „Höllenlärm“ verursachen. Besonders interessant ist, daß dieser Hubschrauber sich quasi auf Knopfdruck selbst zusammenfalten kann. Dabei richten sich die Rotorblätter nahezu parallel zum Rumpf aus und der Heckrotor klappt nach vorne. In dieser Stellung kann der Hubschrauber sogar auf Flugzeugträgern platzsparend verstaut werden. Und statt zwei ausgefahrenen passen auch in die Achumer Montagehalle gleich sechzehn gefaltete Modelle.

Zur Zeit sind in der CH53-Halle etwa 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Wartung und Reparaturen zuständig. Durch die aktuellen Umstrukturierungen (die CH53 gehört inzwischen nicht mehr zum Heer sondern zur Luftwaffe) ist die Zukunft allerdings ungewiß. Nichtsdestotrotz werden auch in den kommenden Jahren in Achum junge Frauen und Männer zu Elektrikern und Mechanikern für Luftfahrzeuge ausgebildet. Dazu gibt es eine Lehrwerkstatt, die übrigens im Bedarfsfall nicht von der Flugplatzfeuerwehr angefahren wird sondern zum Einsatzgebiet der „normalen“ kommunalen Feuerwehr gehört. Da diese Halle rein zivilen Zwecken dient, ist die Bundeswehrfeuerwehr nicht dafür zuständig.

Wir bedanken uns für diesen sehr interessanten Einblick in den Alltag der Heeresfliegerwaffenschule bei Thomas Reese, Uwe Lohmann, Dirk Held und allen anderen, die uns bei unserem Ausflug begleitet haben. Vielen Dank außerdem an Achim und Frank für den Fahrdienst.