Bergen-Belsen

Riehe, 15. Oktober 2011

Ein schwieriges Thema stand heute auf dem Programm. Als Aktion gegen Radikalismus wollten wir mit den älteren Mitgliedern der JF das ehemalige Konzentrationslager Bergen-Belsen besuchen.

Bei der Vorbereitung am Mittwoch – wir sahen gemeinsam den Film „Das Tagebuch der Anne Frank“ – waren noch vier Jugendliche anwesend. Zur Fahrt selbst konnten wir dann leider nur noch zwei unserer Mädchen begrüßen.

Nach der Begrüßung durch die Historikerin Simone Rose bekamen wir zunächst einen Überblick über die Geschichte des Lagers. Bergen-Belsen war ursprünglich als Arbeitersiedlung geplant. Hier waren die Handwerker untergebracht, die die angrenzenden Kasernen errichten sollten. Nach dem Beginn des zweiten Weltkrieges wurden dort französische und belgische Kriegsgefangene interniert. Diese wurden noch vergleichsweise human behandelt. Vollkommen anders war dagegen die Behandlung der sojetischen Kriegsgefangenen, die ein Jahr später auf dem Lagergelände verwahrt wurden. Nicht nur, daß die festen Baracken nur für einen minimalen Teil der Gefangenen ausreichten und der Rest im Herbst und Winter auf dem freien Gelände in Erdlöchern hausen mußte. Auch Mangelverpflegung und Brutalitäten waren an der Tagesordnung. Bis zum Sommer waren von den 20.000 gefangenen Rotarmisten 15.000 umgekommen.

Erst danach begannen die Nazis Juden und Mitglieder anderer verfolgter Minderheiten im Lager zu inhaftieren. Zunächst war das Ziel, diese für einen möglichen Austausch gegen deutsche Kriegsgefangene oder kriegswichtige Güter bereizuhalten. Als ersichtlich war, daß es zu solchen Austauschen nur in begrenztem Umfang kommen würde, wandelte sich die Situation und die Zustände im Konzentrationslager wurden immer schlimmer. Im letzten Kriegsjahr kamen verstärkt Transporte von Juden aus den Vernichtungslagern im Osten (darunter waren auch Anne und Margot Frank). Die hygienischen Zustände wechselten von schlimm zu katastrophal und Krankheiten grassierten. Auch die Versorgung der Gefangenen wurde massiv vernachlässigt. Von etwa 120.000 Menschen, die im Laufe der Jahre in Bergen-Belsen eingesperrt waren, haben über 55.000 das Kriegsende nicht erlebt oder sind kurz danach an ihren seelischen und körperlichen Wunden gestorben.

Im April 1945 wurde das Lager kampflos an die Britische Armee übergeben. Etwa die Hälfte der Wachmannschaft und der Lagerkommandant waren zu diesem Zeitpunkt noch anwesend. Im folgenden Prozeß wurden der Lagerkommandant und einige der Wachlaute – auch für frühere Verbrechen in Auschwitz – zum Tode oder zu langen Haftstrafen verurteilt. Aber auch einige Freisprüche für „relativ“ menschliches Verhalten bzw. nicht nachgewiesene Schuld gab es. Der Großteil der Wachmannschaft wurde allerdings nie zur Rechenschaft gezogen.

Im Anschluß an diese Einführung besichtigten wir das alte Lagergelände. Da die britische Armee alle Baracken und Gebäude wegen der hygienischen Zustände kurz nach der Befreiung abgebrannt hat, waren nur noch Fundamente zu sehen, die vor einigen Jahren von Jugendgruppen freigelegt worden sind. Zusammen mit Simones Erläuterungen reichte das aber völlig aus, um allen ein sehr beklemmendes Gefühl zu vermitteln.

Nach der etwa dreistündigen Führung, in der wir auch die Dauerausstellung kurz besichtigen konnten, und einem gemeinsamen Mittagessen in der Cafeteria der Gedenkstätte machten wir uns auf den Rückweg.

Zusammenfassend kann man sagen, daß unser Besuch durchaus wichtige Eindrücke hinterlassen hat. Wenn die Aufmerksamkeit am Ende auch ein wenig gelitten hat – beim nächsten Mal werden wir die Führung sicherlich etwas straffen – hat sich die Fahrt durchaus gelohnt und kann weiterempfohlen werden.

Vielen Dank an Simone Rose und die Gedenkstätte Bergen-Belsen.